Treffer zum perfekten Zeitpunkt: Laura Kluge brachte die DEB-Auswahl 35 Sekunden vor der ersten Pause mit dem 1:0 in Führung.
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Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat beim olympischen Eishockeyturnier in Mailand den zweiten Sieg im dritten Match eingefahren, die vorzeitige Viertelfinalqualifikation jedoch knapp verpasst. Beim 2:1 nach Verlängerung (1:0, 0:0, 0:1, 1:0) gegen die ausgeschiedenen Französinnen war die Auswahl von Bundestrainer Jeff MacLeod über weite Strecken das offensiv weitaus zwingendere Team, kassierte nach einem zu passiven Start in das dritte Drittel allerdings den zwischenzeitlichen Ausgleich und machte den unter dem Strich verdienten Erfolg erst in der Overtime klar. Trotz des Punktverlusts bleibt die deutsche Ausgangspositionen im Kampf um die Runde der letzten Acht indes exzellent. Ein Sieg gegen Gastgeber Italien am späten Dienstagnachmittag (16:40 Uhr; ZDF und Eurosport) würde sogar Platz zwei in der Gruppe B perfekt machen, während von hinten nur noch Gefahr droht, sollte Japan am Dienstag ein Sensationsdreier gegen Gruppensieger Schweden gelingen.
Das personell unveränderte deutsche Team war gegen die bis dahin punktlosen Französinnen wenig überraschend von Beginn an läuferisch überlegen und scheibensicherer. Dem DEB-Spiel fehlten jedoch zunächst das allerhöchste Tempo sowie der Zug zum gegnerischen Tor aus dem Erfolg über Japan, vor Schlussfrau Alice Philbert wurde darüber hinaus nicht so konsequent wie gegen die Asiatinnen für Verkehr gesorgt. Trotz deutscher Dominanz blieben Großchancen folglich erst einmal Mangelware, die besten Möglichkeiten vergab Jule Schiefer – erst bei einem Rebound nach einem Schuss auf die Maske Philberts (7.), später mit einem etwas zu hoch angesetzten Abschluss (18.).
Auf der anderen Seite brachte Frankreich im Auftaktdrittel nur zwei Schüsse auf DEB-Keeperin Sandra Abstreiter zustande, bei einem allerdings unsauber ausgespielten Drei-gegen-eins-Konter hätte der Weltranglisten-14. kurz vor der Pause dennoch in Führung gehen können. Diese gelang stattdessen 35 Sekunden vor der Sirene doch noch der deutschen Mannschaft in ihrem bereits vierten Powerplay. Nach einem missglückten französischen Befreiungsversuch schaltete Kapitänin Daria Gleißner schnell und bediente mit einem Querpass Laura Kluge, die per Direktabnahme vom rechten Bullykreis für das 1:0 sorgte.
Der Rückstand stachelte die Französinnen offenbar an. Sie investierten im zweiten Abschnitt mehr als noch in den ersten 20 Minuten in die Offensive, insbesondere in der Anfangsphase. Dies tat der Intensität der Begegnung gut, unter dem Strich wurden die französischen Bemühungen jedoch nicht zwingend. Das gefährlichere Team blieb stattdessen die DEB-Auswahl, Svenja Voigt (22.) und Torschützin Kluge allein vor Philbert nach einem gewonnenen Laufduell gegen Lucie Quarto (29.) zielten aus besten Positionen allerdings zu ungenau.
Kurzzeitig hitzig wurde es auf dem Eis, als Schiefer den Puck deutlich nach einem Pfiff in das französische Tor schuss, die Gemüter beruhigten sich in der Folge allerdings schnell. Vielmehr waren die Schlussminuten des zweiten Durchgangs davon geprägt, dass die deutsche Mannschaft das Zepter noch nachdrücklicher an sich riss und auf den zweiten Treffer drängte. Weil Philbert unter anderem einen vielversprechenden Handgelenkschuss von Luisa Welcke aus dem Slot mit der Stockhand entschärfte (34.) und Schiefer am Außenpfosten scheiterte, blieb das Duell vor dem dritten Abschnitt jedoch knapp.
Dass weiter alles möglich war, wussten selbstredend auch die Französinnen und setzten sich zu Beginn des dritten Durchgangs prompt vor Sandra Abstreiter fest. Die DEB-Keeperin stand jetzt immer wieder im Mittelpunkt, weil ihre Mitspielerinnen in der eigenen Zone nun häufig nur noch hinterherliefen und teils unsortiert waren. So war es auch in der 49. Minute, als Manon le Scodan zwei Gegenspielerinnen auf sich zog und mit einem perfekt getimten Rückhandpass Estelle Duvin einsetzte, die Abstreiter durch die Beine zum 1:1 bezwang. Der französische Ausgleich war über die gesamte Spielzeit gesehen schmeichelhaft, in dieser Phase jedoch alles andere als unverdient.
Zumindest aber weckte das Gegentor die deutsche Mannschaft wieder auf. Sie übernahm in der Folge wieder die Initiative, während sich die Französinnen wieder in ihre Konterhaltung weiter Strecken der ersten beiden Drittel zurückzogen. Eine späte Überzahlsituation ließ das MacLeod-Team jedoch ungenutzt, und weil die schon im gesamten Turnierverlauf starke Philbert auch in den Schlussminuten ein Rückhalt für die Bleues war – unter anderem bei einem gefährlichen Abfälscher Luisa Welckes (59.) –, wurde es mit der vorzeitigen Viertelfinalqualifikation nichts mehr. Den zweiten Sieg des Turniers machte das DEB-Team in der folgenden Overtime indes schnell klar. Mit ganz viel Übersicht fand Lilli Welcke von hinter dem französischen Gehäuse die aufgerückte und im Slot unbewachte Verteidigerin Nina Jobst-Smith, die nach nur 67 gespielten Sekunden in der Verlängerung einen präzisen Handgelenkschuss auspackte und mit dem 2:1 für die Entscheidung sorgte.
Aus Mailand von den Olympischen Winterspielen berichtet Stefan Wasmer