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Mittwoch, 23. Oktober 2019

Bayernliga-Zukunft mehr denn je gefährdet Alexander Kondrashov: "Leider mussten wir den BEV heute über das Fehlen einer Heimspielstätte für die Kissinger Wölfe informieren"

Besitzer Alexander Kondrashov und die Verantwortlichen des EC Bad Kissingen konnten sich nach wie vor nicht auf einen neuen Mietvertrag für die Bad Kissinger Eishalle einigen.

Foto: privat

Seit der Kündigung des Mietvertrages für die Eishalle von Seiten des Vereins im Frühjahr stehen die Bad Kissinger Wölfe ohne Heimspielstätte da. Von den ersten fünf Saisonspielen in der Bayernliga absolvierten die Unterfranken vier auswärts. Für ein Heimspiel wichen sie nach Hassfurt aus. Nun steht offenbar fest, dass es diese Saison definitiv keine Spiele mehr in Bad Kissingen geben wird. Eine Einigung mit dem Besitzer der Eishalle Alexander Kondrashov ist weiterhin nicht in Sicht, sodass dieser dem Bayerischen Eissportverband (BEV) nun mitgeteilt hat, dass die Wölfe diese Saison keine Heimspielstätte vorweisen können. Zudem hat sich der ukrainische Geschäftsmann bei Eishockey NEWS gemeldet, um die Gründe für seine Entscheidung publik zu machen.

Herr Kondrashov, zunächst die Frage, auf deren Antwort vermutlich die gesamte Bayernliga brennt: Ist eine Entscheidung bezüglich der Hallensituation in Bad Kissingen gefallen und wenn ja, wie lautet diese?

Alexander Kondrashov: "Zuerst einmal vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit für unser Problem, welches die Eishockeyfans beunruhigt und meiner Meinung nach in den lokalen Medien eher einseitig behandelt wird. Es ist eine Entscheidung getroffen worden. Welche und warum erläutere ich Ihnen. Vor einem Jahr hatten wir einen konstruktiven Dialog mit dem Club. Wir tauschten Ideen über die Entwicklung des Hockeys in der Stadt aus. Mir gefielen die Pläne des Vereins und wir einigten uns darauf, das Stadion vollständig an den Verein zu vermieten. Ich ernannte Herrn Kiesel, der auch Vizepräsident des Clubs war, zum Geschäftsführer der Eissport GmbH. Ich übergab Ihnen die Schlüssel zum Stadion und stellte eine Bedingung - die finanzielle Stabilität der GmbH. Viele deutsche Vereine träumen nur von einer solchen Möglichkeit. Es war wohl klar, dass ich dem Verein in der vergangenen Saison auch die besten Vertragsbedingungen in Bayern angeboten habe, wie Experten bestätigten. Aber nach der Saison sah ich ein nicht zu erwartendes Ergebnis. Das Stadion wird auf völlige Untauglichkeit durch teilweise Zerstörung des Gebäudes gebracht. Die alte Bande wurde demontiert und durch eine neue ersetzt, die sich in einem halbfertigen Zustand befindet und noch immer einem Sponsor des Vereins gehört. Die technischen Einheiten befinden sich in einem Zustand der völligen Betriebsuntauglichkeit. Und zu meiner Überraschung war die Bilanz der GmbH deutlich negativ. Der Club hat den aktuellen Mietvertrag einseitig gekündigt. Der Verein hat die Miete eingestellt, betreibt aber das Stadion weiter. Mein erster Eindruck war, was ist hier nur passiert? Passiert dies wirklich in Deutschland.... Um es besser zu verstehen, hier noch ein Beispiel. Du besitzt eine Wohnung und hast sie für ein Jahr vermietet. Nach sechs Monaten kündigt der Mieter einseitig den Vertrag und stellt die Zahlung der Miete ein, wohnt aber weiterhin in Ihrer Wohnung. Außerdem kommt er in die Küche und demontiert Ihre Möbel, wirft sie aus dem Fenster und verweist selbst darauf, dass er bald wieder hier wohnen könnte und es für ihn bequemer wäre. Ist das nicht ein seltsames Bild? Sicherlich hat mich diese Situation schockiert. Und die Reaktion war angemessen. Ich entließ den Geschäftsführer der GmbH Kiesel. Zudem habe ich den Vertretern des Clubs den Zutritt verweigert und dem Verein gegenüber die entsprechenden finanziellen Ansprüche auf Schadenersatz gestellt. Aber meine Überraschung hörte nicht auf. Der Clubpräsident Rosin und sein Stellvertreter Wehner verhielten sich uneinsichtig und unangemessen. Sie forderten wiederholt, dass ein neuer Vertrag dringend abgeschlossen werden müsse. Es gab keine Reaktion auf meine Versuche, passende Antworten auf meine Fragen zu erhalten. Und ich habe bisher keine verständliche Antwort auf die Frage gehört, warum Sie selbst den Mietvertrag gekündigt haben. Darüber hinaus erfuhr ich alle ihre Wünsche und Meinungen nur aus den lokalen Medien. Die Vereinsverantwortlichen haben die Medien und Öffentlichkeit zu diesem Thema völlig falsch informiert!"

Wie wird es für Sie nun weitergehen?

Kondrashov: "Nach all dem hatten wir eine Gesprächsrunde mit Herrn Wedler, einem sehr geeigneten Vertreter des Clubs geführt, in der ich einen Ausweg aus der Krise vorgeschlagen und eine Roadmap zur Lösung dieses Problems präsentiert habe. Aber leider gab es, wie immer, keine Maßnahmen des Vereins. Ich höre weiterhin aus den Medien über die angeblichen Verhandlungen mit mir. Diese führt Herr Rosin wahrscheinlich in seinen Träumen. Auch sind die Aussagen der Vereinsführung in den Medien über mich völlig falsch und entsprechen nicht der Realität. Einem öffentlichen Vertreter eines Vereins oder einer Organisation muss ein gewisses Maß an kulturellem Niveau zuzutrauen sein. Ich bin sehr überrascht von den Aussagen einiger Mitglieder des Clubvorstandes und der Stilistik Ihrer Verhandlungsführung."

Gibt es sonst noch etwas dazu zu sagen?

Kondrashov: "Der Mitglieder des Vereins, die Spieler der Mannschaft, von denen ich viele persönlich kenne und respektiere, sowie die jüngere Generation von Eishockeyspielern tun mir sehr leid. Ich bin überzeugt, dass die Vorstände nicht die Kompetenz haben und aufgrund der Situation zurücktreten sollten. Schaffen Sie Platz für neue vielversprechende Manager. Die Vereinsleitung sollte sich auf das Kinderhockey konzentrieren und die Entwicklung unter diesem Gesichtspunkt planen. Als unabhängige Person kann ich derzeit feststellen, dass die Investition in das Bayernligateam aufgrund der Unterfinanzierung der Jugendmannschaften stark verzerrt ist. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist die Verpflichtung von Profispielern (Anm. d. Redaktion: Die Wölfe haben erst in der vergangenen Woche mit Jan Jarabek einen neuen Kontingentspieler verpflichtet) vor dem Hintergrund ungelöster Probleme mit der Miete und anderen Schulden des Clubs. Wir sind bereit für einen Dialog um dieses Problem zu lösen."

Wird es nun diese Saison noch Bayernliga-Eishockey in Bad Kissingen zu sehen geben?

Kondrashov: "Leider mussten wir den BEV heute über das Fehlen einer Heimspielstätte für die Kissinger Wölfe in dieser Saison informieren, da es keinerlei vertragliche Basis mit dem Verein gibt."

Wie froh sind sie dann nun, dass die Sache endlich geklärt ist?

Kondrashov: "Sie können mir glauben, dass ich überhaupt nicht froh bin über die Situation. Dennoch blicken wir nach vorne. Im Moment arbeiten wir mit dem ERV Schweinfurt an der Möglichkeit einer gemeinsamen Entwicklung und Unterstützung des Nachwuchses. Das ist meine Antwort auf die Vorwürfe der Zerstörung des Kinder-Eishockeys in der Stadt. Im Hinblick auf das Stadion führen wir eine Schadensbestandsaufnahme durch und beginnen mit den Arbeiten zur Wiederherstellung der Anlage und deren zeitnaher Inbetriebnahme für die Öffentlichkeit."

Interview: Julia Corsten

Welche unmittelbaren Auswirkungen diese Entscheidung nun auf die weitere Spielteilnahme der Wölfe an der laufenden Bayernligasaison hat, ist bis dato noch offen. Laut BEV-Statuten darf aber nur ein Verein am Bayernliga-Spielbetrieb teilnehmen, der eine Heimspielstätte vorweisen kann.


Kurznachrichtenticker

  • vor 14 Stunden
  • Der Herner Eissportverein aus der Oberliga Nord hat mit dem EV Duisburg (Regionalliga West) einen weiteren Kooperationspartner gefunden. Die langjährigen Rivalen gehen in der Saison 2020/21 eine Partnerschaft ein. Die HEV-Stürmer Noah Bruns und Maximilian Herz erhalten eine Förderlizenz für den EVD.
  • vor 15 Stunden
  • Torhüter Nico Henseleit und Verteidiger Robin Maly verlassen die Höchstadt Alligators (Oberliga Süd) mit unbekanntem Ziel.
  • gestern
  • Steven Stamkos (30) kann im laufenden Stanley-Cup-Finale gegen die Dallas Stars nicht mehr in das Geschehen eingreifen. Der Kapitän der Tampa Bay Lightning hatte sein Comeback nach einer Unterkörperverletzung in Spiel 3 der Serie nach nicht einmal drei Minuten Eiszeit abbrechen müssen.
  • gestern
  • Chris Stewart hat seine Karriere nach insgesamt 707 NHL-Einsätzen (333 Scorer-Punkte) im Alter von erst 32 Jahren beendet. Der Flügelstürmer, der zuletzt bei den Philadelphia Flyers unter Vertrag stand, hatte während des Lockouts 2012/13 in 15 Zweitligapartien für Crimmitschau 20 Punkte verzeichnet.
  • vor 2 Tagen
  • Der EV Füssen musste in seinem dritten Testspiel seine erste Niederlage einstecken. Der Süd-Oberligist unterlag dem Bayernligaaufsteiger VfE Ulm/Neu-Ulm trotz einer Aufholjagd im Schlussdrittel mit 4:6 (0:3, 0:1, 4:2).
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