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Donnerstag, 12. Mai 2022

DEB-Mitgliederversammlung Aufarbeitung der Vorfälle und Ungereimtheiten beim DEB: Erst Beschimpfungen und harte Worte, dann Friedensangebote

Vorstellung des Verte-Gutachtens bei der DEB-Mitgliederversammlung am Samstag in München.

Foto: City-Press

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hat seit dem vergangenen Samstag ein neues Präsidium: Einstimmig wurde auf der Mitgliederversammlung Dr. Peter Merten als Nachfolger von Franz Reindl als Präsident gewählt. Neu sind auch Hauke Hasselbring (Finanzen) und Andreas Niederberger (Sportbeauftragter), im Amt verbleibt Marc Hindelang (Oberliga/Landesverbände). Viel Raum nahm aber auch die Diskussion um die Ungereimtheiten der vergangenen Monate ein. Nach einer kontroversen Diskussion mit harten Worten gab es aber Friedensangebote der Beteiligten.

Zwei Anwälte der Wirtschaftskanzlei Verte hatten der Mitgliederversammlung zunächst noch einmal dargelegt, dass bei ihrer Untersuchung „in keinem der untersuchten Bereiche strafrechtlich Relevantes“ zu finden gewesen sei – weder in Bezug auf Reindls Doppelrolle als Präsident und Geschäftsführer der DEB-GmbH noch auf die Rolle der Vermarktungsagentur Infront. Als Wolff-Dietrich Prager, Chef des schleswig-holsteinischen Verbandes danach aber monierte, er habe „auf viele Fragen keine Antworten bekommen“, es gebe „viele Ungereimtheiten“ und man solle „abwarten, was die unabhängige Staatsanwaltschaft“ sage und zudem DEB-Justiziar Marcus Haase, der ihn mit Klagen überzogen habe, für befangen erklärte, pöbelte Lutz Michel, Präsident des sächsischen Eishockeyverbandes: „Da krieg ich‘s Kotzen bei deinem Gelaber.“

Frauke Rautenberg, NRW-Vizepräsidentin, sagte: „Weder Herr Hiemer, noch Herr Prager, noch Herr Ansink haben im Sinne der ‚Wir sind eine Eishockeyfamilie‘ gehandelt.“ Der Streit hätte intern gelöst werden müssen. Es sei nun an der Zeit, dass sich „diese drei Familienmitglieder überlegen, ob sie für ihr Familiensystem noch tragbar und für ihren Verband förderlich sind“. Bertholt Wipfler kritisierte außerdem, dass die Opposition trotz mehrfachen Angebots darauf verzichtet hatte, Unterlagen einzusehen.

Manuel Hiemer, Präsident des LEV Sachsen-Anhalt (der einen Rücktritt ablehnt) und Hendrik Ansink, Chef des hessischen Verbandes, der Reindl Mitte Januar wegen Verdachts der Untreue angezeigt hatte, verzichteten auf Statements – auch weil sie sich dazu in einer Versammlungspause entschieden hätten. Ansink erklärte am Sonntag gegenüber Eishockey NEWS, dass die Veranstaltung nach den öffentlichen Angriffen „ein hässliches Ende“ hätte nehmen können. Vor allem, weil Prager gefragt habe, wie der DEB mit den entstandenen Kosten für Anwälte und das Verte-Gutachten umgehe. Rechnungsprüfer Karl Aicher empfahl dazu nach Abschluss des Verfahrens zu prüfen „wer Kostenschuldner ist“. Aktuell bezahlt der DEB nach Präsidiums-Beschlüssen diese.

Bilder von der DEB-Mitgliederversammlung (8 Einträge)

 

Ansink erklärt, er habe eine Eskalation vermeiden wollen. „Die Neuwahlen standen noch auf der Tagesordnung. Die Mitglieder wussten das zu bewerten, Gegenprotest baute sich auf. Wir haben geschwiegen und uns nicht provozieren lassen.“

Hiemer berichtet Eishockey NEWS, dass das neue Präsidium ihm gegenüber bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. „Ich setze große Hoffnungen in das neue Präsidium“, sagte er. „Ich möchte dazu beitragen, dass das strukturelle Defizit wie es Hauke Hasselbring genannt hat, verschwindet.“ Positiv wertet er, dass er trotz aller Anfeindungen während der Versammlung am Ende von sehr vielen ein „friedliches Handshake“ bekommen habe. Er sieht unter den Landesverbänden die Chance auf Neuanfang.

Als „Zug um Zug“ erklärt Ansink seine Vorgehensweise, dass er in den vergangenen Wochen erst Anträge (beispielsweise auf ein forensisches Gutachten) gestellt und sie dann wieder zurückgezogen habe. „Franz Reindl kündigte an, dass er nicht wieder kandidieren wird. Peter Merten erklärte seine Bereitschaft, als Präsident zu kandidieren.“ So war aus Ansinks Sicht der Weg für einen Neuanfang frei. Dass seine Kandidatur auch in Abstimmung mit Ansink erfolgt war, hatte Merten auch noch einmal erklärt.

Erledigt ist für Ansink die Angelegenheit damit noch nicht. „Wieso hat das Verte-Gutachten die Staatsanwaltschaft nicht veranlasst, die Ermittlungen einzustellen?“, fragt er. Allein schon die Tatsache, dass es „noch mehrere Monate“ dauern werde, bis die Staatsanwalt eine Entscheidung über die Eröffnung eines Verfahrens fällt, müsse ernst genommen werden. Ebenfalls moniert er, dass es schwer zu vermitteln sei, „wenn eine Verbandsführung sich beim Abschied dafür feiern lässt, dass keine strafrechtlichen Verstöße festgestellt werden konnten“. Doch auch er zeigt Bereitschaft zum Neustart. „Ich vertraue Peter Merten und seinem Team, dass sie den Anspruch an das eigene Tun und Handeln wieder auf das Niveau von Werten und Tugenden heben. Es ist nicht alles legitim, was legal ist.“

Michael Bauer


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