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Donnerstag, 22. Dezember 2022

Fall Rens Aberson Eine Klage, langes Warten und jetzt ein Club-Wechsel: Thema Kontingentspieler im Nachwuchs bewegt weiter

Nachwuchsspieler in Berlin mit einer Deutschlandfahne. Das Thema EU-Kontingentspieler in der DNL sorgt weiter für Diskussionsstoff.

Foto:City-Press

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hatte sich lange Zeit gelassen. Zum Thema Kontingentspieler in den in den Divisionen der DNL rund um den Fall Rens Aberson hatte Ligenleiter Markus Schubert am 4. November Antworten „in Kürze“ signalisiert. Nachfragen von Eishockey NEWS an ihn und die Pressestelle des Verbandes blieben aber bis Anfang Dezember ungehört. Nun gibt es Antworten und auch neue Entwicklungen.

Die Regelung im Nachwuchs ist und bleibt ein heikles Thema für den Verband, der mit feiner juristischer Feder antwortet. „Dem DEB ist es rechtlich nicht erlaubt, EU-Spieler bei ihren Einsätzen zu beschränken“, heißt es. Dazu liegt auch ein Urteil des Ständigen Schiedsgerichts vor. Der Niederländer Aberson (vormals Düsseldorf, bis jetzt Krefeld in der DNL U20, Division I) hatte es Anfang des Jahres erstritten und eine persönliche Ausnahme erlangt, die ihn von jeder Kontingentierung frei spricht – die allerdings seinen Club und auch die restliche Liga wenig kümmert. Aberson, laut DEB seit dieser Saison mit dem Status EU-Spieler versehen, der nicht mehr unter das „harte Kontingent“ fällt wie ein Kanadier, wird in Krefeld weiter wie jeder andere Nicht-EU-Spieler behandelt. Er hat nur acht Spiele absolviert (drei Tore, eine Vorlage). Sein Trainer Robin Beckers hatte dies im Oktober mit dem Konkurrenzkampf der Kontingentspieler innerhalb des Teams und der Leistung des Spielers begründet.

Die Clubs haben sich bezüglich Zahl der Kontingentspieler im Juli selbst eine Regelung auferlegt. Zwei sind pro Spiel erlaubt. Man sehe sich als deutsche Ausbildungsliga, formulierte es der inzwischen in Regensburg entlassene Stefan Schnabl damals in Eishockey NEWS. Solche Gentlemen‘s Agreements sind weithin bekannt aus der PENNY DEL, DEL2 oder Oberliga. „Dementsprechend akzeptiert der DEB lediglich die Gentlemen‘s Agreements der Vereine, die in den unterschiedlichen Ligen getroffen werden oder wurden und nimmt diese zur Kenntnis“, heißt es von Seiten des DEB auf die Frage, ob und wie der DEB in den Entstehungsprozess eingebunden war. Ein Blick auf die Nachwuchsstatistiken beweist: Ein Großteil der Clubs hält sich auch an diese Regelung, auch wenn zum Teil deutlich mehr Kontingentspieler in den Kadern stehen. Ausnahmen gibt es aber in Divisionen unterhalb der Top-Gruppe, beispielsweise in Füssen oder Riessersee (Division 2), Weiden oder Selb (Division 3). Sanktionen seien von Seiten des DEB aber nicht möglich. Denn der Verband sieht keinen Verstoß gegen die Satzung oder Ordnung des DEB.

Vor Kurzem gab es interessante zeitliche Abfolgen: Aberson weilte zum Probetraining bei der U20 des EV Füssen. Dort wurde Coach Fred Ledlin danach beurlaubt. Ein Zusammenhang? Ja, sagt Ledlin. Nein, sagt der EV Füssen. „Mir wurde gesagt, dass das eine Schande für den Standort Füssen ist“, verweist Ledlin auf zwei Meetings mit dem Vorstand. „Und dass der Verein künftig wieder eine andere Richtung einschlagen will.“ Zudem sei der Club mit dem Benehmen einiger Spieler nicht zufrieden gewesen, sagt Ledlin. Ein Teil hat nun auch den Club bereits verlassen, bestätigt der Verein. Ledlin sagt, er habe versucht, die Mannschaft wieder konkurrenzfähig zu machen „und so vielleicht für die nächste Saison starke deutsche Spieler zu uns zu locken.“ Es sollte mit dem Traditionsstandort wieder bergauf gehen.

Rens Aberson im Trikot des Krefelder EV

Foto: Jürgens

Thomas Zellhuber vom EV Füssen sagt, dass weder das Einsetzen der Kontingentspieler noch das Probetraining von Aberson mit der Beurlaubung von Ledlin zusammenhingen. Die Gründe lägen woanders. Doch das Thema Kontingentspieler bewegt den Vorstand: „Wir wussten, dass wir in dieser Saison den Weg mit den EU-Spielern gehen müssen, weil wir zu wenig deutsche Spieler haben, um konkurrenzfähig zu sein. Der DEB war darüber sicher nicht begeistert, das verstehe ich auch.“ Eine Abmeldung des Teams kam aber für den Traditionsverein nicht infrage. „Ich hätte mir gewünscht, dass nach dem Urteil, das im Februar gefallen ist, schneller Kontakt mit den Vereinen aufgenommen worden wäre. Aber der DEB hatte in dieser Phase ja auch andere Baustellen. Im Juli dann war es für uns zu spät, da hatten wir noch keine Mannschaft. Also blieb uns nichts anderes übrig als die EU-Spieler zu nehmen.“

Doch die sind ja eigentlich begrenzt? Oder doch nicht? „Faktisch ist eine Beschränkung vorhanden, auch wenn es heißt, es gäbe keine“, sagt Julia Schwarz, Anwältin bei der Kanzlei Gründel Press Petersohn, die Aberson gegen den DEB vertreten hat. „Der DEB formuliert die Durchführungsbestimmungen und in diesen steht die Beschränkung.“ Dort steht auch: „Über die Höhe der Begrenzung entscheidet die zuständige Institution. Eine entsprechende Regelung ist in den Durchführungsbestimmungen festzuhalten.“ Auch dass im Urteil vom 8. Februar zudem noch vermerkt ist, dass auch „eine freiwillige Selbstbeschränkung der Vereine unzulässig wäre“, sieht der DEB nicht als Problem. Lapidare Antwort dazu: „Wie bereits erwähnt, gibt der DEB in den Nachwuchs-Ligen keine Beschränkungen für EU-Spieler vor.“

Schwarz ist der Ansicht, dass die Umformulierung nach dem Aberson-Urteil „noch diskriminierender“ ist als vorher. „Sie öffnet weiteren Klagen Tür und Tor, auch wenn die Spielordnung eine Begrenzung nicht mehr vorsieht. Dass der DEB als satzungsgebender Verband die Vorgaben ignoriert, ist mehr als schade. Er hat sich auch an europarechtliche Vorgaben zu halten. Stattdessen ignoriert er sie.“ Anfragen habe sie bereits erhalten. „Ich kämpfe schon lange gegen diese Ungerechtigkeit und werde dies auch gerne weiter tun, sofern Kläger den Weg gehen wollen.“ Allerdings: Dieser ist mit Kosten verbunden. Daher ist fraglich, wie viele den Weg von Familie Aberson gehen wollen. „Dort geht es um die Zukunft des Sohnes als möglicher Profi. Nicht jeder Amateurspieler wird aber Geld investieren wollen, um zu klagen.“

Rens Aberson (Mitte) im Oktober 2021 im Trikot der Düsseldorfer EG.

Foto: Binder

Rens Abersons Vater Ron ist sauer. „In den DNL-Divisionen, also U20 und U17, stehen mehr als 160 Kontingentspieler in den Kadern. Einige Teams haben sogar zwölf! All diesen Kindern ist am Anfang der Saison versprochen worden, spielen zu können. Aber spielen dürfen nur zwei! Die Eltern dieser Kinder sehen, dass ihre Kinder wegen der Nationalität sitzen müssen. Das ist diskriminierend! Das muss man den Clubs auch verständlich machen.“

Ihr Zuhause, Freunde, Schule, Umfeld. All das ließen diese Kinder für das Eishockey in Deutschland hinter sich. „Und dann bekommen sie nicht die gleiche Chance wie die Deutschen, sich weiterzuentwickeln!“ Aberson habe immer den Dialog mit dem DEB gesucht, sagt er. Zufriedenstellende Antworten habe er aber nie erhalten. Nicht auf Anrufe, nicht auf E-Mails. Was erschwerend hinzukam – und das hat er lange für sich behalten: Sein Sohn sei während seiner Nachwuchszeit ausländerfeindlich von einem ehemaligen Trainer beleidigt worden. „Damit war das Maß endgültig voll. Erst die Diskriminierung, dann keine Antworten und zum Schluss die ausländerfeindlichen Aussagen. Wie hätten da andere Eltern wohl reagiert?“

Doch er versteht auch die Intention des DEB, in erster Linie auf den deutschen Nachwuchs zu setzen und verweist dabei auf die Aussagen von Sportdirektor Christian Künast, rund um den Deutschland Cup in einem Interview mit Eishockey NEWS für die U11, U12 und U13 ein pandemiebedingt „brutales Loch“ aufzeigte. „Dann sollte man vielleicht ganz ohne Ausländer spielen“, sagt Aberson.

Sohn Rens hat in der Zwischenzeit ein weiteres Probetraining absolviert. Denn die Saison 2022/23 ist sein letztes Nachwuchsjahr. Damit entscheidet sich seine Zukunft. Bereits im März hatte Anwältin Schwarz vermutet, der DEB habe mutmaßlich die Klage in die Länge gezogen – zum Nachteil von Aberson. Am Donnerstag nun hat Rens Aberson eine Zusage erhalten. Ab 3. Januar spielt er beim ERC Ingolstadt, Tabellenführer der DNL-Division I, Gruppe B, dort gibt es nur einen weiteren Kontingentspieler. In Krefeld waren sie zu fünft. Aberson hat nicht so viel Zeit, wie der DEB.

Michael Bauer


Kurznachrichtenticker

  • vor 6 Stunden
  • Goalie Ennio Albrecht von den Grizzyls Wolfsburg erhält eine Förderlizenz für die Rostock Piranhas und wird den Nord-Oberligisten in den kommenden Wochen unterstützen, da Lucas Di Berardo – der Stammtorhüter der Ostseestädter – verletzungsbedingt „mehrere Wochen“ pausieren muss.
  • vor 6 Stunden
  • Marino Brlic (zieht es aufgrund seines Studiums nach Vereinsangaben wohl in den Süden), Erik Grein und Daniel Bartuli (beide „persönliche Gründe“) haben ihre Verträge beim EV Duisburg aufgelöst und verlassen den Nord-Oberligisten mit bis dato unbekannten Zielen.
  • gestern
  • Crimmitschaus Neuzugang Jannis Kälble verletzte sich bei seiner Premiere im Sahnpark gegen die Selber Wölfe und wird mit einer Unterkörperverletzung rund zwei Wochen pausieren müssen. Auch Routinier André Schietzold fällt weiterhin aus.
  • gestern
  • Die NHL-Ergebnisse vom Montag: New York Rangers - Florida 6:2, Toronto - New York Islanders 5:2, Dallas - Buffalo 2:3 n.V. (Peterka punktlos), Calgary - Columbus 4:3 n.V.
  • vor 2 Tagen
  • Zweitligist Bayreuth Tigers hat am Montag mitgeteilt, dass sich Daniel Bindels am Sonntag beim Spiel gegen Weißwasser eine schwere Oberkörperverletzung zugezogen hat und für den Rest der Saison ausfallen wird. Der DEL2-Club will nun erneut auf dem Transfermarkt aktiv werden.
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