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Freitag, 24. September 2021

Kongress des Weltverbandes in St.Petersburg Nachfolge von René Fasel: „Realist“ Franz Reindl fühlt vor IIHF-Präsidentenwahl „breite Fürsprache“ – Vier Gegenkandidaten

Franz Reindl.

Foto: imago images/Action Pictures

Am Wochenende wird gewählt und es geht eine Ära zu Ende. Was für die Bundestagswahl gilt, gilt auch für den Eishockeyweltverband. Gesucht wird eine neue starke Kraft. DEB-Präsident Franz Reindl bewirbt sich als einer von fünf Kandidaten für die Nachfolge des Schweizer Zahnarztes und Ex-Schiedsrichters René Fasel, der irgendwo zwischen Eishockey-Napoleon und begnadeter Netzwerker stand.

Bereits seit Sonntag ist Reindl in St. Petersburg, wo die Wahlen am Samstag stattfinden, am Donnerstag fand ein Legendenspiel statt. Der Halbjahreskongress läuft bereits seit Mittwoch. Am Freitag durften sich die fünf Kandidaten – neben Reindl treten Petr Briza (Tschechien), Henrik Bach-Nielsen (Dänemark), Luc Tardif (Frankreich, gebürtiger Kanadier) und Sergej Gontcharov (Weißrussland, aufgewachsen in Deutschland) – in einer zehnminütigen Präsentation vorstellen. Alle fünf kandidieren auch für das Amt des Vizepräsidenten und das Council. Aufgrund der Vielzahl an Kandidaten wird mit mehreren Wahlgängen gerechnet, nach jedem Wahlgang scheidet der mit den wenigsten Stimmen aus.

„Ich fühle eine breite Fürsprache, bin aber Realist“, sagte Reindl vor seiner Abreise auf Nachfrage von Eishockey NEWS zu seinen Chancen. „Erstmalig seit 27 Jahren gibt es bei der IIHF Präsidentschaftswahlen, viele Council-Mitglieder scheiden aus und insgesamt gibt es 23 sehr gute Kandidatinnen und Kandidaten für die 14 Council-Positionen. Allein um die Präsidentschaft bewerben sich fünf. Das ist sehr gut für die IIHF mit ihren transparenten, demokratischen Strukturen.“

Seine Gegenkandidaten verfolgen unterschiedliche Ansätze. Der Tscheche Briza, einst Publikumsliebling beim EV Landshut, gilt als diplomatisch geschickt und stellt das „Wir“ des Weltverbandes in den Vordergrund. Tardif setzt auf Kontinuität und auf Wachstum in Asien. Bach-Nielsen, um den sich Gerüchte um eine Vorstrafe ranken (nach Prüfung der IIHF erhielt er die Erlaubnis zur Kandidatur) schlägt unter anderem Drei-gegen-drei-Eishockey vor und will den Verband weiterentwickeln. Gontcharov, mit 38 zwar der jüngste Kandidat, verfügt dennoch über viel Erfahrung und möchte unter anderem die Weltmeisterschaft reformieren – 24 statt 16 Mannschaften, eine Ausrichtung in vier benachbarten Ländern und damit mehr Einnahmen durch Vermarktung. Doch mag man sich derzeit schwer vorstellen, dass ein Weißrusse dem Verband vorsteht.

Für Reindl, der sein Konzept mit vier Leitlinien versah, stehen neben den Auswirkungen der Pandemie, Digitalisierung und Kommerzialisierung vor allem die Integration von NHL, KHL und CHL im Vordergrund. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten“, sagte Reindl dazu im Interview mit Eishockey NEWS Ende August. „Es stellt sich die Frage: Möchte jeder Stakeholder das auch? Man könnte dies auch über Mitgliedschaften oder Kooperationsverträge regeln. In Europa drängen die Clubs schon vermehrt auf ein Mitspracherecht.“ Im Falle einer Wahl muss er sich zudem gegenüber der NHL um Gary Bettman, Bill Daly und Gewerkschaftschef Donald Fehr behaupten. 2026 sind Olympische Spiele in Italien. Zwar gibt es einen Beschluss (im neu verhandelten Rahmentarifvertrag der NHL), dass die Akteure dort mitwirken dürfen, die Pandemie hat nun aber gezeigt, auf welch dünnem Eis diese Beschlüsse stehen. Die NHL-Stars in Europa zu sehen, wäre ein enorm wichtiger Aspekt für den Weltverband.

Reindl kann als Erfolge seiner Zeit als DEB-Präsident nicht nur die sportlichen (Olympia-Silber, Sprung von Rang 13 auf Rang fünf in der Weltrangliste) für sich reklamieren, sondern auch die finanzielle Sanierung des einst klammen Verbandes durch die WM 2017 und die Wiedereingliederung der Liga in den Verband. „Die langfristige Zusammenarbeit mit DEL und DEL2 hat uns jetzt Ruhe und Erfolg gebracht“, sagte er. Auf- und Abstieg konnte geregelt werden. Das Konzept Powerplay26 sei eine wichtige Orientierung gewesen.

Würde Reindl nun also Weltverbandspräsident, wäre dies die Krönung seiner Funktionärslaufbahn. Der deutsche Eishockey-Bund bräuchte allerdings einen neuen Präsidenten. Als Interimslösung steht DEB-Justitiar und Rechtsanwalt Marcus Haase (Berlin, einst selbst Spieler) bereit. Reindl sagte jüngst der Deutschen Presse-Agentur, dass er 2022 bei den nächsten Wahlen ohnehin nicht mehr antreten wolle. Es sei dann Zeit für einen Neuanfang.

Michael Bauer


Kurznachrichtenticker

  • vor 8 Stunden
  • Ermittlungsverfahren eingestellt: Branden Gracel vom ESV Kaufbeuren (DEL2) wurde am Freitag in Bayreuth nach einem Stockstich mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe belegt. Nach Würdigung der Beweismittel sieht der Disziplinarausschuss keinen Anlass für eine weitere Bestrafung des Stürmers.
  • vor 8 Stunden
  • Scott Valentine, Verteidiger der Augsburger Panther, muss zwei Spiele zuschauen und eine Geldstrafe zahlen. Das entschied der Disziplinarausschuss der PENNY DEL. Valentine war gegen Münchens Bastian Eckl mit einem Check gegen den Kopf vorgegangen.
  • gestern
  • Der ehemalige DEL-Stürmer Jack Combs, der kürzlich die Rostock Piranhas (Oberliga Nord) nach vier Einsätzen (drei Vorlagen) verlassen hat, schließt sich den Allen Americans in der East Coast Hockey League (ECHL) an.
  • gestern
  • Brad Snetsinger von den Starbulls Rosenheim hat am Freitag die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Die Suche nach einem zweiten Kontingentspieler beim Club aus der Oberliga Süd läuft. "Intern haben wir schon einige Spieler näher analysiert und die ersten Kontakte aufgenommen“, so John Sicinski.
  • gestern
  • Der Russe Nikita Shatsky verlässt die Krefeld Pinguine. Das Tryout des Angreifers, der 2020/21 in 22 Einsätzen in der PENNY DEL auf zwei Tore und zwei Vorlagen kam, war nicht erfolgreich.
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