Leon Draisaitl erreichte Anfang Januar die Marke von 1.000 Scorer-Punkten in der NHL (Ehrung von Oilers-GM Stan Bowman) – und darf nun die deutsche Fahne bei der Olympia-Eröffnungsfeier in Mailand tragen.
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Leon Draisaitl hat in seiner Karriere schon viel erlebt. Am Mittwochabend verschlug es dem besten deutschen Eishockey-Spieler aber die Sprache. „Ich weiß wirklich nicht, was ich gerade sagen soll“, meinte der 30-Jährige. Draisaitl hielt ein Smartphone in der Hand, am anderen Ende der Leitung: Olaf Tabor, Chef de Mission bei den Winterspielen in Mailand und Cortina. Er hatte dem Eishockey-Profi wenige Stunden vor dessen Spiel mit den Edmonton Oilers bei den Calgary Flames (Endstand 3:4) mitgeteilt, dass er am Freitagabend bei der Olympia-Eröffnungsfeier (20 bis 23 Uhr, live bei ARD und Eurosport) die deutsche Fahne ins Giuseppe-Meazza-Stadion tragen wird.
„Das bedeutet mir unfassbar viel, ich fühle mich total geehrt“, betonte Draisaitl. Der gebürtige Kölner hatte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder betont, welch großen Stellenwert für ihn die Olympischen Winterspiele haben. Zum ersten Mal seit 2014 legt die beste Eishockey-Liga der Welt wieder eine Spielpause für die Winterspiele ein. Entsprechend war der Mann mit der Nummer 29 nicht dabei, als Deutschland vor acht Jahren in Pyeongchang (Südkorea) den Silbercoup landete.
Bei der Eröffnungsfeier die Fahne seines Heimatlandes zu tragen, ist eine große Ehre. „Das ist das i-Tüpfelchen für mich“, betonte der 30-Jährige, der nun nicht mit den anderen NHL-Spielern am Samstag im Flieger nach Italien sitzen wird, sondern bereits einen Tag früher anreist. Draisaitl wird am Freitagvormittag in Mailand erwartet, wie Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, am Donnerstag mitteilte. Und damit nicht genug der Ehre: Der Eishockey-Superstar, der 2020 zum besten Spieler der NHL gewählt wurde (MVP), wird am Wochenende auch zur kleinen Delegation gehören, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trifft.
Obwohl das Votum für Draisaitl als Fahnenträger eindeutig ausfiel, gab es auch Kritik, weil es sich bei ihm um keinen verdienten Olympioniken handele. Weikert konnte dies nicht nachvollziehen. „Ich kann verstehen, dass es da unterschiedliche Auffassungen gibt, aber wer sich sowohl bei der Publikumswahl als auch bei jener der Athletinnen und Athleten durchsetzt, hat sich das verdient“, unterstrich der 64-Jährige und ergänzte: „Für uns als deutsches Olympia-Team ist es eine Auszeichnung, dass mit Leon ein Topstar aus Nordamerika unsere Fahne trägt. Auf ihn schaut die Welt.“ Draisaitl genießt im Eishockey-Mutterland Kanada Superstar-Status und ist aktuell mit einem 112-Millionen-US-Dollar-Vertrag über acht Jahre der weltweit bestbezahlte Spieler.
Christian Rotter