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Dienstag, 25. Juni 2019

Interview nach dem Karriereende „Irgendwann will ich als Trainer einen Pokal in die Höhe stemmen“ – Christoph Schubert über seine Ziele für die Zukunft

<p>Christoph Schubert wird an Halloween 2017 für sein 1.200 Profispiel geehrt. Am Ende wurden es 1.210.<br/>Foto: Holger Beck<br/></p>

Christoph Schubert wird an Halloween 2017 für sein 1.200 Profispiel geehrt. Am Ende wurden es 1.210.
Foto: Holger Beck

Mit 37 Jahren ist für Christoph Schubert Schluss: Der ehemalige NHL-Verteidiger, zuletzt in Diensten der Crocodiles Hamburg, konnte 2018/19 kein Spiel für die Hanseaten absolvieren. "Vor gut anderthalb Wochen hat mir ein Spezialist in Hamburg nach einer Untersuchung gesagt, dass mit meiner Schulter nie wieder Profisport möglich sein wird", so der Hüne aus Bayern. Jetzt widmet sich der langjährige Freezers-Kapitän einem neuen Kapitel.

Herr Schubert, wie ist es Ihnen in den ersten Tagen als Eishockey-Rentner ergangen?
Christoph Schubert: "So richtig ist das noch nicht bei mir angekommen. Die letzten Tage waren schon sehr emotional. Ich habe immer gesagt, dass ich so lange spiele, bis mein Körper sagt, dass es nicht mehr geht. Jetzt hat er es gesagt. Ich wollte noch ein paar Jahre spielen und noch nicht so "früh" aufhören, aber jetzt ist es leider so. Ein Kapitel ist beendet, ein neues werde ich aufschlagen."

Sie könne auf eine außergewöhnliche Karriere zurückblicken. Lassen Sie uns über die Anfänge sprechen...
Schubert: "In Landshut hat alles begonnen. Mein erster Verteidigungspartner als 17-Jähriger war Eddie Uvira, Weltmeister mit Tschechien. Zu dem konnte ich hochschauen. Parallel habe ich schon mit dem München Barons mittrainiert und dann hat alles seinen Lauf genommen."

Mit 18 Jahren haben Sie dann ihr Debüt in der DEL gegeben.
Schubert: "Durch eine Verletzung eines Leistungsträgers hat mich der damalige Trainer Sean Simpson, einer der besten Coaches Europas, zum Stammverteidiger gemacht. Das war eine tolle Erfahrung. Plötzlich wurde ich von Hans Zach in die Nationalmannschaft berufen. Es ging alles unglaublich schnell."

Welche Erinnerungen haben sie an den NHL-Draft im Sommer 2001?
Schubert: "Das war krass." (lacht)

Inwiefern?
Schubert: "Eigentlich wollte ich mit Christian Ehrhoff zum Draft nach Miami fliegen, aber wir haben uns dann dagegen entschieden. Ich stand in Straubing bei einem Freizeit-Fußballturnier auf dem Platz. Irgendwann hörte ich die Mailbox ab. Mein Berater hatte mir draufgesprochen. Ich sagte dann zu meinem Vater: Du, ich glaube, ich wurde gedraftet. Wir konnten das beide gar nicht greifen. Die Sprachqualität war so mies, dass ich erst verstanden habe, dass mich die Islanders gedraftet haben. Aber es waren die Senators."

Wie war die erste Zeit in Nordamerika?
Schubert: "Gerade die ersten zwei Jahren waren hart. Ich war das erste Mal in Nordamerika, mein Englisch war grauenhaft und dort hilft dir niemand beim Einleben. Du bist auf dich allein gestellt. Behördengänge, Wohnung, alles, was dir hier der Club abnimmt, musst du da allein machen. Der Verein zahlt dir zehn Tage das Hotel und dann musst du zusehen, wie du klarkommst."

Hatten Sie Zweifel, es zu packen?
Schubert: "Ja, klar. Es gab Momente, da wäre ich am liebsten sofort wieder nach Deutschland gekommen. Ich wollte die Freigabe, aber Ottawa verweigerte sie mir, weil sie das Potenzial in mir gesehen haben. Und nach einem langen Gespräch mit meinem Vater hat es klick gemacht: Ich wollte mich durchsetzen."

Und nach zwei Jahren in Binghamton feierten sie endlich ihr Debüt in der NHL.
Schubert: "Toronto. 18.000 Fans in der Halle, 20 Millionen Menschen am TV bei der "Hockey Night in Canada". Ich war in der Starting six und am Ende haben wir 7:0 gewonnen. Wahnsinn. Ich war so geflasht."

Es folgten noch 346 weitere Partien und ein Stanley-Cup-Finale 2007.
Schubert: "Das war richtig geil. Die ganze Stadt lief in unseren roten Trikots rum. Eine unglaubliche Euphorie, eine geile Atmosphäre in der Stadt, in der Halle. Ganz Ottawa hat Eishockey gelebt."

Wer war ihr bester Gegenspieler in der NHL?
Schubert: "Thomas Vanek. Der hat mich in den Wahnsinn getrieben, als er in Buffalo war. Wir verstehen uns privat super, aber auf dem Eis war er für mich der Horror. Dieser Handgelenksschuss! Irre. Aber auch Jaromir Jagr, Pavel Datsyuk, die jungen Ovechkin und Crosby. Sich mit den Besten zu messen, ist einfach geil."

In der Saison 2010/11 ging es über Frölunda Göteborg zu den Hamburg Freezers in die DEL. Was hat die Zeit in Hamburg so besonders gemacht?
Schubert: "Als ich kam, haben wir vor 5.000 Fans gespielt, am Ende vor über 9.000! Wir haben uns in einer Stadt, in der es zwei Traditionsvereine im Fußball, Handball, Basketball, Hockey und so viel mehr gibt, etabliert, waren Teil der Sportkultur. Wir waren Hauptrundenmeister, regelmäßig in den Playoffs vertreten. Es wurde eine Eishockeyeuphorie neu entfacht. Davon ein Teil gewesen zu sein, war geil."

Im Mai 2016 hat die Anschutz-Gruppe die Freezers abgestoßen. Haben Sie damit inzwischen ihren Frieden schließen können?
Schubert: "Nein, das werde ich wohl nie. Weil mir immer noch zwei Fragen auf der Seele brennen: Warum zu dem Zeitpunkt und wieso auf diese Art und Weise? Aber ich fürchte, die Wahrheit werden wir alle nie erfahren."

Auch Fußballstars wie Thomas Müller und Max Kruse haben mitgeholfen, das Eishockey in Hamburg zu retten. Welche Erinnerungen haben Sie an diese turbulente Zeit?
Schubert: "Alles hat eine unglaubliche Dynamik bekommen. Ich habe quasi nicht geschlafen. Deutschlandweit haben Sportler, Fans und Firmen mitgeholfen. Aber man wollte die Freezers seitens der AEG nicht leben lassen."

Aber Sie haben nicht aufgegeben, Eishockey in Hamburg am Leben zu erhalten. Bei den Crocodiles sollte in der Oberliga etwas Neues entstehen. Das hat nicht geklappt. Bereuen Sie den Schritt?
Schubert: "Nein, auf keinen Fall. Das war keine verlorene Zeit. Wir hatten 2016 ein ambitioniertes Ziel. Leider sind wir nach einem ersten tollen Jahr vom Weg abgekommen. Aber auch bei den Crocodiles habe ich tolle Menschen kennengelernt, und so viel gelernt, was ich für die Zukunft mitnehmen kann."

Sie sprechen die Zukunft an. Fürchten Sie nach der Spielerkarriere in ein Loch zu fallen?
Schubert: "Nein, ich habe ein klares Ziel. Ich möchte Trainer werden, meine Erfahrungen weitergeben. Die C-Lizenz habe ich bereits. Im Februar 2020 werde ich aller Voraussicht nach meinen B-Schein machen. Es gibt bereits einige Anfragen. Irgendwann will ich als Trainer einen Pokal in die Höhe stemmen."

Interview: Alexander Berthold

Das komplette Interview und alles weitere zur Karriere von Christoph Schubert finden Sie in unserer aktuellen Print-Ausgabe.


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Kurznachrichtenticker

  • vor 12 Stunden
  • Nach insgesamt 289 Pflichtspielen für Heilbronn wird Richard Gelke in der kommenden Saison nicht mehr im Falkenkader stehen. Der 27-jährige Stürmer einigte sich mit den Verantwortlichen auf eine Vertragsauflösung und hat sich für einen Wechsel in die Oberliga (Ziel noch unbekannt) entschieden.
  • vor 17 Stunden
  • Tobias Fuchs hat seinen Vertrag bei den EV Lindau Islanders (Oberliga Süd) um ein Jahr verlängert. In der Spielzeit 2018/19 kam der 33-jährige Verteidiger zu 54 Einsätzen (ein Tor, 15 Assists). Künftig nicht mehr für Lindau auf dem Eis stehen werden dagegen Martin Wender und Christian Schmidt.
  • gestern
  • Petteri Kilpivaara und Niels Böttger bleiben als Assistenten von Cheftrainer Brad Gratton den Dresdner Eislöwen (DEL2) treu.
  • gestern
  • Die EXA IceFighters Leipzig (Oberliga Nord) haben den Vertrag mit Dimitri Komnik verlängert. Der 21-Jährige stürmt seit 2016 für die IceFighters und kam in der Saison 2018/19 zu 50 Einsätzen (sechs Tore, 14 Assists).
  • vor 2 Tagen
  • Nick Vieregge komplettiert das Torhütertrio der Dresdner Eislöwen (DEL2). Der 16-Jährige, der zuletzt im Nachwuchs des ES Weißwasser aktiv war, wird aber vorrangig in der Dresdner U20-Mannschaft zum Einsatz kommen.

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