Beim Olympia-Auftakt gegen Schweden gingen die deutschen Frauen am Donnerstagmittag früh in Führung, mit zunehmender Spieldauer wurden die Gesichter auf der DEB-Bank jedoch immer unglücklicher.
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Insgesamt acht Matches des Curling-Mixedwettbewerbs hatten bereits am Mittwochabend und Donnerstagvormittag stattgefunden, dann aber waren die DEB-Frauen bereits an der Reihe. Sie eröffneten am Donnerstagmittag die Olympischen Winterspiele 2026 aus deutscher Perspektive – und sie eröffneten das Eishockeyturnier auch mit dem ersten Tor durch Nina Jobst-Smith. Dass die körperbetonte Partie in der Mailänder Rho Ice Hockey Arena letztlich dennoch mit 4:1 an Schweden ging, war vor allem an Schwächen im Unterzahlspiel und fehlender Durchschlagskraft in der Offensive festzumachen.
„Für mich war es kein 4:1-Spiel. Wir haben zu keiner Zeit aufgehört, daran zu glauben, dass wir es drehen können“, sah Daria Gleißner in der Auftaktniederlage zwar keine verpasste Chance im Rampenlicht, die DEB-Kapitänin wusste indes auch: „Offensiv war es heute zu wenig.“ Nur 16 Torschüsse brachte das deutsche Team zu Stande, die Schwedinnen verzeichneten mehr als doppelt so viele. Gleißners Lösungsansatz: „Wir müssen mehr Zweikämpfe gewinnen und aggressiver zum Tor spielen.“ Dass Jobst-Smiths Treffer nach schon achteinhalb gespielten Minuten der erste DEB-Torschuss war, passte also ins Bild, obwohl die deutschen Frauen läuferisch schwungvoll aus der Kabine gekommen waren.
„Wir konnten uns bei Fünf-gegen-fünf nicht durchsetzen“, räumte Gleißner ein, nachdem es für das einzige Tor ein Powerplay gebraucht hatte. Das Special-Teams-Duell ging dennoch an die Schwedinnen, die zweimal in und einmal kurz nach einer Überzahl trafen. „Auf so einem hohen Niveau sind die Special Teams ausschlaggebend“, ordnete Gleißner diese Hypothek ein. Bundestrainer Jeff MacLeod wollte für die Fehleranalyse das Videostudium abwarten, unübersehbar war gleichwohl, dass es der DEB-Auswahl immer wieder nicht gelang, gefährliche Passbahnen zu verschließen und Chancen zur Befreiung aus der eigenen Zone zu nutzen.
Dass dem zweiten schwedischen Überzahltreffer eine fragwürdige Strafe gegen Emily Nix und kurz zuvor eine nicht geahndete Behinderung auf der Gegenseite vorausgegangen waren, erhitzte die Gemüter auf der deutschen Bank zwischenzeitlich. „Es waren schwierige Calls dabei“, meinte Nix, während sich MacLeod zur Leistung der Schiedsrichterinnen Shauna Neary und Anniina Nurmi diplomatischer äußerte: „Wir sind noch dabei, ein Gefühl dafür zu bekommen, was eine Strafe ist und was nicht. Aber wir dürfen niemandem die Schuld geben, man muss durch alle Widerstände weiterspielen.“
Diese Marschroute gilt im zweiten von vier Gruppenspielen am Samstag (12.10 Uhr; ARD und Eurosport) gegen Japan umso mehr. Im Duell mit den Asiatinnen steht das DEB-Team bereits unter Zugzwang, wenn es mit den ersten drei Rängen und der damit verbundenen Viertelfinalqualifikation etwas werden soll. Erst am 30. Januar waren die beiden Teams bei der deutschen Olympia-Generalprobe aufeinandergetroffen, in Peiting setzten sich die Japanerinnen mit 3:2 nach Verlängerung durch – die Qualitäten des Weltranglistennachbarn sind also bekannt. „Sie sind schnell und bewegen gerne die Scheibe“, sagte MacLeod über den nächsten Kontrahenten. Daraus folgen für Gleißner primär zwei Aufgaben: defensive Stabilität und mehr eigenes Selbstvertrauen mit dem Puck.
Zuvor wagen die Kapitänin und ihre Mitstreiterinnen aber erst einmal den Spagat zwischen dem Erlebnis Olympia und dem sportlichen Fokus. Am Freitagabend (20 Uhr; ARD und Eurosport) nehmen Gleißner & Co. geschlossen an der Eröffnungsfeier im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion teil, werden allerdings den sogenannten „Early Exit“ nutzen, um ausgeschlafen in die wichtige Partie gegen Japan gehen zu können. Zumindest den Einlauf der Nationen wollen sich die DEB-Frauen jedoch nicht entgehen lassen. „Das ist eine schöne Atmosphäre und gehört dazu. Es ist ja auch für das ganze Eishockeyteam eine Ehre, dass Leon die Fahne tragen darf“, sagte Gleißner.
Stefan Wasmer