Verteidigerin Nina Jobst-Smith (24) jubelt über ihr 1:0 gegen Schweden – es blieb indes der einzige deutsche Treffer zum Olympia-Auftakt gegen Schweden.
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Nach zwölf Jahren meldeten sich die deutschen Eishockey-Frauen am Donnerstag auf der olympischen Bühne zurück. Exakt achteinhalb Minuten benötigte Nina Jobst-Smith (24) für den ersten Treffer der DEB-Frauen bei Winterspielen seit dem 18. Februar 2014 (Sara Seiler). Warum es trotz der frühen Führung nicht mit einem Auftaktsieg gegen Schweden klappte, welche Lehren das deutsche Team für den weiteren Turnierverlauf mitnimmt und warum die Vorfreude auf die Eröffnungsfeier riesig ist, erklärt Torschützin Jobst-Smith im Interview.
Nina Jobst-Smith, was hat den Unterschied bei der 1:4-Niederlage gegen Schweden gemacht?
Nina Jobst-Smith: „Natürlich war das nicht das Resultat, das wir uns erhofft hatten, aber nach zwölf Jahren war das auch ein besonderes Erlebnis für uns. Deswegen war Aufregung und Nervosität mit im Spiel. Wir haben schnell und physisch gespielt, das sollten wir beibehalten. Mehr Schüsse auf das gegnerische Tor würden uns in den nächsten Spielen aber helfen.“
Die Partie wurde von beiden Teams sehr physisch geführt. Hatten Sie das erwartet?
Jobst-Smith: „Für ein Länderspiel war das schon eher untypisch, aber es ist eben auch eine kleinere Eisfläche. Viele von uns spielen diese schnellen und körperbetonten Spiele sowieso in ihren Ligen. Mir hat es gefallen, dass die Schiedsrichterinnen uns ein ehrliches Spiel haben machen lassen.“
Wie hat sich Ihr erstes olympisches Match atmosphärisch angefühlt – insbesondere, als sie nach achteinhalb Minuten das erste deutsche Tor bei Winterspielen seit 2014 erzielt haben?
Jobst-Smith: „Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich hatte mir das nicht ausgemalt. Diesen Moment mit meinem Team teilen zu dürfen, war etwas ganz Besonderes für mich.“
War es eine Zusatzmotivation für Sie und ihre Mannschaftskameradinnen, die Winterspiele als erste Athletinnen im Einsatz für Deutschland quasi zu eröffnen?
Jobst-Smith: „Wenn man ein Turnier eröffnen darf, ist das immer etwas Besonderes. Wir hatten alle Augen auf uns, also wollten wir zeigen, was wir können. Wie gesagt war es nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft hatten, aber wir können trotzdem viele Dinge mitnehmen und daraus lernen.“
Zwei der drei Gegentore fielen in Unterzahl, eines unmittelbar nach einem schwedischen Powerplay. Was muss in Unterzahl verbessert werden?
Jobst-Smith: „Die Schwedinnen haben es im Powerplay gut gemacht, das muss man anerkennen. Wir hatten aber auch Löchern in unserem Unterzahlspiel, die wir schließen können. Und ob du ein Gegentor bekommst oder nicht: Wenn du in Unterzahl spielen musst, bringt dich das immer ein wenig aus dem Rhythmus, weil es einfach harte Arbeit hast. Je mehr wir von der Strafbank wegbleiben können, desto besser.“
Was erwarten Sie vom zweiten Gruppenspiel gegen Japan am Samstagmittag?
Jobst-Smith: „Die Japanerinnen arbeiten immer hart und sind schnell. Ich denke, dass unsere Körperlichkeit uns helfen wird gegen sie. Wir spielen häufig gegen sie, deswegen gehen wir mit einem guten Gefühl in das Spiel und wissen, was wir für einen Sieg tun müssen.“
Zuvor nehmen Sie und ihre Teamkolleginnen am Freitagabend an der Eröffnungsfeier im Giuseppe-Meazza-Stadion teil, nach dem Einlauf der Nationen wird allerdings der „Early Exit“ genutzt, um ausgeschlafen in das Duell gegen Japan gehen zu können. Fühlt sich das nach der richtigen Balance zwischen dem Erlebnis Olympia und dem Fokus auf die sportlichen Aufgaben an?
Jobst-Smith: „Definitiv. Ich habe von vielen Leuten gehört, dass die Eröffnungsfeier einer der besten Abende ihres Lebens war. Für uns war es wichtig, das als Gruppe erleben zu können, wir freuen uns sehr darauf.“
Wird die Eröffnungsfeier auch für das Frauen-Team ein noch spezielleres Erlebnis, weil mit Leon Draisaitl ein Eishockeyspieler die deutsche Fahne tragen darf?
Jobst-Smith: „Für uns ist das sehr cool, ja. Mehr Sichtbarkeit für unseren Sport ist immer erfreulich. Und wenn das Männer-Eishockey wächst, wächst auch das Frauen-Eishockey. Wir sind stolz darauf, dass Eishockey unser Land repräsentieren darf.“
Aus Mailand von den Olympischen Winterspielen berichtet Stefan Wasmer