Moritz Seider verpasste mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft am Mittwoch in Mailand das olympische Halbfinale deutlich.
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Moritz Seider (24) ordnete nach dem klar mit 2:6 verlorenen Viertelfinale gegen die Slowakei die Leistung der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft in Mailand ein und sprach über offensichtliche und weniger offensichtliche Baustellen im Team und im Spiel der DEB-Auswahl.
Moritz Seider, was war ausschlaggebend für die Viertelfinalniederlage gegen die Slowakei?
Moritz Seider: „Ich glaube, das zweite Drittel war maßgeblich für das gesamte Spiel. Wir haben den Faden nach dem zweiten Gegentreffer verloren. Wir haben versucht, das Ganze mit der Brechstange anzugehen – und dann wird es natürlich selten etwas. Wir haben völlig die Struktur verloren, sind in mega viele Konter reingelaufen und haben nie die Kontrolle über das Spiel zurückbekommen. Dann verlierst Du sehr deutlich und dann ist das Turnier aus, was natürlich sehr bitter ist.“
Kann man festhalten, das ein Team aus unbestritten sehr guten Einzelspielern nicht so richtig zusammengefunden hat?
Seider: „Vielleicht, vielleicht auch nicht. Da können sich andere Leute darüber streiten. Ich weiß, dass wir in der Kabine auf jeden Fall alles dafür getan haben, um als Mannschaft aufzutreten, vor allem, um als erfolgreiche Mannschaft aufzutreten. Jeder hat alles reingeworfen. Deswegen weiß ich jetzt auch nicht so, was man dazu sagen soll.“
War es ein Kraftthema, dass man im Vergleich mit den Slowaken deutlich weniger Pause vor dem Duell um den Halbfinaleinzug hatte?
Seider: „Nein, das kann keine Ausrede sein.“
Spiegelt das Aus im Viertelfinale den Leistungsstand der deutschen Nationalmannschaft korrekt wider?
Seider: „Ich glaube, es sollte schon unser Maßstab sein, dass man so ein Spiel wie gegen die Slowakei gewinnen kann. Man kann nicht jedes Mal erwarten, dass man um irgendwelche Medaillen mitspielt. Man muss auch realistisch bleiben. Aber ich glaube, das war eine sehr machbare Aufgabe. Besser hätten wir es nicht treffen können. Hätte uns das jemand vor dem Turnier so angeboten, dann hätte das jeder Fan und jeder Spieler dankend angenommen. Deswegen ist es sehr bitter, dass wir das nicht hinbekommen haben. Nichtsdestotrotz war viel Positives dabei. Aber es reicht natürlich nicht, nur phasenweise gut zu spielen.“
Sie haben anfangs die vielen Konter der Slowaken angesprochen. Aber das war ja nicht das erste Spiel, in dem man zu viele Gegenangriffe erlaubt hat… warum war es so schwierig, das abzustellen?
Seider: „Wir wollten manchmal einfach auf Teufel komm raus ein Gegentor sofort wieder gutmachen. In solchen Momenten muss man geduldig bleiben – und das haben wir einfach nicht hingekriegt. Und dann fällt das ein oder andere Tor gegen dich.“
Würden Sie den Turnierverlauf und -ausgang als unglücklich bezeichnen oder muss sich grundsätzlich auch ein bisschen etwas ändern?
Seider: „Ich glaube, wir müssen einfach wieder unsere Strukturen klar verdeutlichen. Wir sind eine Mannschaft, die sehr viel über Stolz und über den Willen kommt. Ab und an versuchen wir, dass wir ein bisschen zu hübsch spielen, zu süß und vorne nur außen herum. Wir müssen einfach wieder direkter werden. Das hat man auch schon in Dänemark bei der WM 2025 gesehen. Das sind Dinge, die man angreifen muss.“
Interview zusammengestellt aus Mailand: Sebastian Groß