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Donnerstag, 1. Januar 2026

20 Jahre nach Eisstadioneinsturz „Es ist wichtig, dass die Katastrophe in Bad Reichenhall als mahnendes Beispiel erhalten bleibt“

Die eingestürzte Halle in Bad Reichenhall.
Foto: IMAGO/Astrid Schmidhuber

Es war der 2. Januar 2006. Um 15.54 geschah das Unglück. Aufgrund von Baumängeln stürzte das Dach der Eislaufhalle im oberbayerischen Bad Reichenhall ein. Die Schneelast war zu hoch geworden. 15 Menschen, darunter zwölf Kinder starben. 34 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Zum Zeitpunkt des Einsturzes fand öffentlicher Eislauf statt.

Heute, 20 Jahre später, steht die Halle schon lange nicht mehr. Eine Gedenkstätte erinnert an die Opfer. Die Stadt mit 20.000 Einwohnern, ganz im Süden Bayerns schon nahe der Grenze zu Österreich gelegen, beschäftigt das Unglück bis heute. Auch die Eishockeywelt hat es bewegt und in Bezug auf die Stadionlandschaft in Deutschland hatte der Einsturz Folgen.

„Die Katastrophe in Bad Reichenhall hat uns vor Augen geführt, dass fehlender konstruktiver Schutz von Gebäudeteilen durch Technologien wie Entfeuchtung und Belüftung mit einem zu hohen Preis bezahlt wurde“, erklärt Simon Schlenker, zusammen mit seinem Vater Uwe Experte für Stadionsanierungen (u.a. Schwenningen, Landshut und viele weitere) im Gespräch mit Eishockey NEWS. „Oft haben sich Eishallen aus offenen Eisflächen, zu einer überdachten Fläche beziehungsweise einer geschlossenen Halle entwickelt, wobei häufig der notwendige Schritt der benötigten Technologien, ich meine da Belüftung und Entfeuchtung, nicht vollzogen wurde. Dadurch wurden viele Kommunen mit ähnlichen Eishallen verdeutlicht, dass es so nicht weitergehen kann.“

Einige Kommunen handelten sehr schnell: In zwei Städten wurden rasch nach der Tragödie Fakten geschaffen, der Eissport ins Aus befördert, im niedersächsischen Braunschweig und im badenwürttembergischen Göppingen. Die Dachkonstruktion entsprach der von Bad Reichenhall. Auch fast zwei Jahrzehnte später ließen sich mit den Schlagwörtern Bad Reichenhall und Dach noch zwei Abrissbeschlüsse herbeiführen, im nordrhein-westfälischen Unna und im niedersächsischen Nordhorn. Andernorts, wie in Geretsried, Rosenheim, Deggendorf oder Senden wurde in Form einer Dacherneuerung reagiert.

„Es ist wichtig, dass die Katastrophe in Bad Reichenhall als mahnendes Beispiel erhalten bleibt und auch zum 20. Jahrestag weiter darüber geredet und daraus gelernt wird“, ergänzt Architekt Schlenker. „Es hat das Bewusstsein für den konstruktiven Schutz durch Technik bei tragenden Bauteilen geschärft.

In Bad Reichenhall steht heute keine Eishalle mehr. 2007 folgte der Komplettabriss in Bad Reichenhall.  Gerichtsverhandlungen arbeiteten die erheblichen Baumängel heraus. Am Ende wurde im Oktober 2011 ein Bauingenieur zu einer Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Ermittlungen gegen städtische Beamte hatte die Staatsanwaltschaft nicht geführt. Man ließ die Dinge verjähren, was nicht nur Opfer-Angehörige bis heute kritisieren.

Im Winter 2021 war auch das Dach der Eishalle in Sterzing in Südtirol eingestürzt. Zu Schaden kam damals niemand, um 7 Uhr morgens am 10. Februar 2021 befand sich niemand in der 1983 errichteten und 1993 überdachten Halle. Eine mangelhafte Tragwerkskonstruktion sowie Projektierungs- und Montagefehler war der Grund für den Einsturz bei hoher Schneelast. Wenige Monate später wurde die Halle wieder eröffnet – als Traglufthalle existiert sie bis heute.

In Deutschland ist um das Thema Eishallen eine Dauerdiskussion entbrannt. Hamburg-Stellingen musste vor Saisonbeginn ebenfalls wegen Problemen am Dach geschlossen werden, erst jüngst wurde auch die Halle im hessischen Wabern gesperrt. Der Bayerische Eissportverband startete jüngst die Initiative „Zukunft braucht Eis“, mit der der Verband als Berater und Vermittler für Vereine und Kommunen auftreten will.

Michael Bauer/Markus Terbach 


  


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Notizen

  • vor 11 Stunden
  • NHL in der Nacht: Die St. Louis Blues rücken immer näher an die Wild-Card-Plätze heran. Nach dem 6:2-Sieg (3:2, 2:0, 1:0) bei den Anaheim Ducks liegen sie nur nur drei Zähler zurück. Die Philadelphia Flyers landeten ebenso einen Auswärtssieg: Sie gewannen 4:1 bei den N.Y. Islanders (2:0, 1:1, 1:0).
  • vor 22 Stunden
  • Tim Lutz (25) hat seinen Vertrag bei den Eispiraten Crimmitschau (DEL2) um ein Jahr verlängert. Der Angreifer konnte in der abgelaufenen Saison verletzungsbedingt lediglich in der Endphase vier Matches bestreiten und verzeichnete dabei einen Assist.
  • gestern
  • Die PENNY DEL hat die Anfangszeiten der möglichen Spiele 7 in den noch nicht entschiedenen Viertelfinalserien festgelegt. Der Showdown zwischen München und Ingolstadt am Ostermontag würde um 16.30 Uhr beginnen, der zwischen Straubing und Berlin um 19 Uhr.
  • vor 2 Tagen
  • Wojciech Stachowiak (26) ist nach seinem Trade in die Organisation der Detroit Red Wings weiter in Topform. Der Nationalstürmer verzeichnete am Mittwoch beim 5:0-Sieg der Grand Rapids Griffins in Rockford ein Tor sowie zwei Assists und steht nun bei sieben Punkten in den jüngsten drei Matches.
  • vor 6 Tagen
  • Stürmer Roman Zap wird die Höchstadt Alligators nach einer Saison verlassen. Das gab der Oberligist bekannt. Der 22-Jährige suche eine neue Herausforderung. In 56 Spielen erzielte Zap 15 Tore und verbuchte zudem 19 Assists.
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