Tomas Hertl (links) und David Pastrnak (Mitte) sind bei den Olympischen Winterspielen in Mailand im Gegensatz zu Martin Necas (rechts), Tschechiens drittem Offensivstar, noch nicht in Fahrt gekommen.
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Die K.-o.-Phase beim olympischen Eishockeyturnier der Männer in Mailand steht vor der Tür – und „jetzt geht der Spaß so richtig los“, wie Schwedens Star-Verteidiger Victor Hedman nach dem Vorrundenabschluss gegen die Slowakei festhielt. Da die Tre Kronor beim 5:3-Sieg gegen den Bronzemedaillengewinner des Jahres 2022 in letzter Minute ein Gegentor kassiert hatten, war die Chance auf den Gewinn des Dreiervergleichs an der Spitze der Gruppe B jedoch dahin. Den sicherten sich stattdessen die Slowaken und zogen als Gruppensieger ebenso wie Kanada, die USA sowie Finnland als bester Staffelzweiter (ebenfalls Gruppe B) direkt in das Viertelfinale ein, während Schweden in die Qualifikationsrunde muss – und die hätte sich Hedman bei allem Spaß wahrscheinlich gerne erspart.
So aber trifft das Team des häufig kritisierten Trainers Sam Hallam am Dienstagabend (21.10 Uhr) auf Lettland – und dieses Duell weckt bei den Schweden nicht zwingend gute Erinnerungen. Denn: Beim bis dato letzten Aufeinandertreffen in der K.-o.-Phase eines großen Turniers gelang den Balten bei der WM 2023 auf dem Weg zu Sensationsbronze ein 3:1-Viertelfinalcoup. „Gegen Schweden haben wir vielleicht bessere Chancen als gegen Tschechien. Historisch gesehen ist das meiner Meinung nach der Fall“, sagte Lettlands Keeper Arturs Silovs entsprechend selbstbewusst, nachdem die finale Setzliste nach der Vorrunde das Wiedersehen bestätigt hatte. Klar ist indes auch, dass die ausschließlich mit NHL-Profis besetzten Skandinavier trotz unter dem Strich nicht überzeugender Gruppenphase auf dem Papier haushoher Favorit sind.
Selbiges gilt trotz des dezimierten Kaders auch für die Schweiz, die ab 12.10 Uhr – parallel zum deutschen Duell gegen Frankreich – gegen Italien antritt. Der Olympia-Gastgeber verkaufte sich gegen Schweden und die Slowakei teuer, kassierte zum Vorrundenabschluss jedoch eine 0:11-Klatsche gegen Finnland. „Uns ist die Kraft ausgegangen, aber das lag daran, dass wir zwei sehr intensive Spiele absolviert hatten. Uns hat alles gefehlt, aber ich bin überzeugt, dass es nur eine Frage der körperlichen Verfassung war und nichts mit der Mentalität oder der Taktik zu tun hatte“, wollte Star-Coach Jukka Jalonen die Abreibung gegen seine Landsleute indes nicht überbewerten. Dass die in der Weltrangliste mit Abstand schwächste Mannschaft des Turniers gegen den Vizeweltmeister krasser Außenseiter ist, steht ohnehin fest – zumal die Schweizer zuletzt beim 4:3-Overtime-Sieg gegen Tschechien demonstrierten, dass sie auch ohne die Leistungsträger Kevin Fiala, Denis Malgin und Andrea Glauser ein Medaillenanwärter sind.
Die Tschechen treffen ihrerseits in der Viertelfinalqualifikation ab 16.40 Uhr auf Dänemark und damit auf den Vierten der Weltmeisterschaft 2025. Für den Einzug in die nächste Runde, in der Goldfavorit Kanada warten würde, dürfte Tschechien nach einer durchwachsenen Gruppenphase vor allem auf den Durchbruch der beiden bis dato noch nicht in Fahrt gekommenen Offensivstars David Pastrnak und Tomas Hertl hoffen. Bemerkenswert: Die Dänen haben unterdessen mit Nick Olesen (drei Tore, ein Assist) den produktivsten Scorer des Turniers in ihren Reihen, der nicht in der National Hockey League aktiv ist, präsentierten sich in der Vorrunde aber ebenfalls wechselhaft in ihren Leistungen. Im Duell zweier routinierter Teams sind sie der nominelle Underdog, aber keineswegs chancenlos.
Aus Mailand von den Olympischen Winterspielen berichtet Stefan Wasmer