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Mittwoch, 18. Februar 2026

Die Stimmen zum Viertelfinal-Aus DEB-Kapitän Draisaitl: „Wenn man so spielt, dann gibt man sich selbst gar nicht erst eine Chance“

Erwartbar eng bewacht wurde Deutschlands Ausnahmestürmer Leon Draisaitl auch im Viertelfinalduell mit der Slowakei, das mit 2:6 deutlich verloren ging.
Foto: City-Press

Wie die DEB-Frauen sind auch die DEB-Männer im Viertelfinale der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand gescheitert. War das 1:5 der deutschen Frauen im Duell mit Olympia-Titelverteidiger Kanada möglicherweise sogar abzusehen, kam die 2:6-Abreibung für die DEB-Männer am Mittwochmittag vor allem in seiner Deutlichkeit überraschend, wenn sich auch die Problemzonen im deutschen Team und Spiel, die sich gegen die Slowaken offenbarten, im Turnierverlauf schon mehr als nur angedeutet hatten. Der Traum einer olympischen Medaille ist damit vorzeitig geplatzt. „Wenn ich jetzt nur die Zahlen nehme, dann war unser Verbandsziel mit beiden Teams – und ich nehme jetzt bewusst auch die Frauen dazu – das Viertelfinale. Das haben wir erreicht. Aber am Ende ist es so – und das ist ja mittlerweile unser Anspruch und auch mein Anspruch –, dass man nicht mehr sagt wie vor ein paar Jahren: Viertelfinale, alles ist gut. Wir wollten natürlich mehr und wir hätten uns gefreut, wenn es weitergegangen wäre“, so Christian Künast, DEB-Vorstand Sport, in seinem ersten Turnierfazit kurz nach Spielende. Die Analyse und die Schlussfolgerungen vor allem aus dem enttäuschenden Turnier der Männermannschaft mit drei Niederlagen aus fünf Partien wird beim Verband sicher noch einige Tage und Wochen in Anspruch nehmen.

Unter dem Strich lässt sich auch nach dem Viertelfinalduell mit der Slowakei festhalten, dass der Gegner seine PS deutlich besser aufs Eis brachte als die deutsche Mannschaft. Dazu Künast: „Die Slowaken waren frischer, oft einen Schritt schneller. Ohne das als Ausrede zu nehmen, hatten wir das dritte Spiel in vier Tagen hatten – und die Slowakei hatte seit Samstag kein Spiel mehr. Das hatten sie sich aber auch erarbeitet in der Gruppenphase und damit verdient. Sie waren besser – und das müssen wir auch anerkennen.“ DEB-Kapitän Leon Draisaitl gab sich ebenfalls selbstkritisch, was die Leistung des deutschen Teams anging: „Es waren einfach zu viele Fehler. In so einem Spiel musst Du dir selbst so lang wie möglich eine Chance geben, das Spiel irgendwann zu gewinnen. Das haben wir überhaupt nicht gemacht. Wenn man so spielt, dann gibt man sich selbst gar nicht erst eine Chance.“ Verteidiger-Routinier Moritz Müller ergänzte: „Insgesamt war es kein richtig überzeugendes Spiel und auf jeden Fall nicht genug, um starke Slowaken, das muss man ja auch sagen, zu schlagen.“ 

Zum Verhängnis wurde der deutschen Mannschaft das zweite Drittel, in dem man drei Gegentore hinnehmen musste – entstanden aus slowakischen Kontern und individuellen Fehlern. „Wir haben im zweiten Drittel zu sehr gepresst und ein bisschen unsere Struktur verlassen“, kritisierte Bundestrainer Harold Kreis. Angreifer Freddy Tiffels, der mit zwei Toren und zwei Vorlagen bei Olympia der offensiv auffälligste DEB-Spieler aus der PENNY DEL war, ergänzte: „Ich weiß, das ist ein Klischee, aber die Kleinigkeiten haben die Slowaken einfach besser gemacht. Sie haben die Zweikämpfe in den richtigen Momenten gewonnen. Und dann ist am Ende so ein Ergebnis da.“ Auch die schon gegen Dänemark und Lettland aufgetretene Anfälligkeit für Konterangriffe wurde im zweiten Drittel des Viertelfinales wieder besonders deutlich. „Wenn Du unseren Jungs mehrere Zwei-gegen-eins-Situationen gibst, dann schießen wir wahrscheinlich auch zwei oder drei Tore mehr“, so Kapitän Draisaitl zu den teils verschenkten Gegentoren.

Auch über das Thema überdimensionale Eiszeiten für die NHL-Profis wurde nach dem Turnier-Aus noch einmal gesprochen. „Die Frage ist vielleicht berechtigt, ob ich sie zu viel eingesetzt habe“, gestand Bundestrainer Kreis ein. „Aber dass alle die gleiche Eiszeit bekommen, das wird es nicht geben.“ Und Künast ergänzte zur schwierigen Balance in Sachen Einsatzzeiten über die vier Reihen: „Das ist wirklich ein Punkt, den man im Nachhinein auch Spiel für Spiel anschauen muss. Und dann kann man wahrscheinlich bei der einen oder anderen Reihe den ein oder anderen Wechsel wegtun – und bei der anderen Reihe den Wechsel dazu tun.“ In der Analyse ist das nun sicher möglich, sportlich hilft es dem Team freilich nur noch für die Zukunft und nicht mehr für das beendete Turnier. Womöglich wäre eine ausgewogenere Verteilung vom Turnierstart weg hilfreich dabei gewesen, ein homogeneres Team zu formen – und gleichzeitig Kräfte für die K.-o.-Phase aufzusparen. Überprüfen lässt sich das im Nachhinein jedoch leider nicht.

Wo steht das deutsche Eishockey nach dem Viertelfinal-Aus in Mailand aktuell? „Ich würde sagen, wenn alle da sind, zwischen Platz sieben und zehn in der Welt“, so Künast dazu – und damit zumindest beim Turnier der Besten wie in Mailand auch einen guten Schritt weit weg von den Medaillen – ganz unabhängig davon, dass ein Sieg über die Slowakei am Mittwoch die Chance auf Edelmetall ermöglicht hätte. Draisaitls Turnierfazit fiel entsprechend ernüchternd aus: „Wir hätten schon gerne besser spielen wollen. Wir haben nie so wirklich zu unserem Spiel gefunden. Es ist eine verbrauchte Chance, die wir nicht genutzt haben – und das tut mit Sicherheit weh.“ 

Aus Mailand von den Olympischen Winterspielen berichtet Sebastian Groß
 

Die K.-o.-Phase im Überblick (5 Einträge)

 

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Notizen

  • vor 2 Tagen
  • Im Spiel um Platz 3 beim Turnier in Pardubice gewann am Sonntag Köln gegen Straubing mit 5:1. Gregor MacLeod, Louis-Marc Aubry, Veli-Matti Vittasmäki, Nate Schnarr und Jan Luca Sennhenn trafen für die Haie. Marcel Brandt erzielte das Tor der Tigers.
  • vor 4 Tagen
  • Die Dresdner Eislöwen haben ihr Testspiel am Samstag im tschechischen Litvinov mit 4:2 gewonnen. Die Tore für den abstiegsgefährdeten DEL-Club erzielten Travis Turnbull, Tomas Sykora, Rourke Chartier und Tomas Andres.
  • vor 5 Tagen
  • Die Kölner Haie (1:2 n.V. gegen den SC Bern) und die Straubing Tigers (2:3 gegen Dynamo Pardubice) haben ihre Halbfinals beim Hockeytown Cup im tschechischen Pardubice verloren und treffen am Sonntag (14 Uhr, kostenpflichtiger Livestream unter hockeytowncup.cz) im Spiel um Platz drei aufeinander.
  • vor 6 Tagen
  • Weißwassers Stürmer Nikita Knaus verletzte sich bei seinem Einsatz für die U19-Nationalmannschaft und wird den Rest der Saison ausfallen.
  • vor 8 Tagen
  • Julian Wäser wird den Hannover Indians am Freitag im Oberliga-Nord-Spiel gegen die Füchse Duisburg fehlen. Der Verteidiger ist nach seiner zweiten Fünf-Minuten-Strafe wegen Fighting in dieser Saison automatisch gesperrt.
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