Die Heilbronner Fans zeigten ein Plakat beim Spiel gegen Stuttgart.
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Die Fans der Heilbronner Falken sind in dieser Saison leidgeprüft, was in der vergangenen Woche in der Insolvenz gipfelte. Eine gute Nachricht aus Fan-Sicht – nämlich, dass die nächsten Spiele planmäßig stattfinden können – ist aber nun mit einer Konsequenz verbunden, die alles andere als Begeisterung auslöst. Denn Dauerkarteninhaber müssen nun noch einmal bezahlen, wenn sie die restlichen Spiele sehen wollen.
Warum das so ist, erklärte Rechtsanwalt Peter Roeger, der vorläufige Insolvenzverwalter des Clubs am Dienstagmorgen in einer Pressemitteilung: „In Folge der Anordnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens darf die Heilbronner Falken GmbH & Co. KG keinem Gläubiger aus der Vergangenheit Leistungen zukommen lassen. Alle Dauerkarteninhaber sowie die Inhaber von Zehnerkarten sind Gläubiger. Aus rechtlichen Gründen ist es daher nicht möglich, die Dauerkarteninhaber ohne Zusatztickets bei den Spielen einzulassen. Nur so ist sichergestellt, dass die Gläubiger im Sinne der gesetzlichen Regelung gleichgestellt sind.“
Heißt nun: Alle Karteninhaber müssen für jedes Heimspiel eine Zusatzkarte online oder vor Ort an der Abendkasse kaufen. Stehplatzinhaber müssen fünf Euro, Sitzplatzinhaber zehn Euro und VIP-Karen-Inhaber 30 Euro bezahlen. „Dieser finanzielle Beitrag der Zuschauer ist nötig, da aus insolvenzrechtlichen Gründen keine Gläubiger bevorzugt werden dürfen“, erklärt Roeger. „Den Verantwortlichen ist bewusst, dass diese Maßnahme für viele Fans nicht einfach ist, aber aus rechtlichen Gründen gibt es leider keine Alternative.“ Für die Zukunft der Falken sei es wichtig, die Saison mit Unterstützung der Fans zu Ende zu bringen.
Diese waren schon in den vergangenen Wochen mehrfach auf die Barrikaden gegangen: Vor allem, weil kaum Informationen über die finanzielle Lage mitgeteilt wurden. Im Zentrum der Kritik stand und steht der geschäftsführende Gesellschafter Franz Böllinger. Nach der Insolvenz hatte sich nur die Anwaltskanzlei von Roeger öffentlich geäußert – und auch das erst, nachdem die Insolvenz schon lange nach Veröffentlichung in den Online-Insolvenzbekanntmachungen einsehbar und in Sozialen Medien verbreitet worden war.
Die Zusatzkosten kamen bei den Fans in ersten Reaktionen nicht gut weg. Die Fans schrieben von „moralisch unterster Schublade“, „Verlängerung des Todesstoßes“ oder „doppelt zur Kasse geboten“. Einige erkannten zwar den rechtlichen Hintergrund an, hätten sich statt der Eintrittsgelder von fünf, zehn oder 30 Euro aber einen symbolischen Betrag von Euro gewünscht.
Am Freitag hatten die Fans im letzten Drittel des Partie gegen Stuttgart im Schlussdrittel beim Stand von 1:6 versucht, einen Spielabbruch herbeizuführen, warfen immer wieder Gegenstände auf das Eis. Die Schiedsrichter und beide Mannschaften wollten die Partie aber zu Ende spielen, was in einem Puckgeschiebe endete und in Toren der beiden Goalies Franz Jokinen und Nick Vieregge gipfelte, die zunächst die Pucks hin- und herpassten und dann jeweils dem anderen ein Tor erlaubten.
Die nächsten Spiele der Falken finden am Freitag zuhause gegen Bayreuth und am Sonntag in Höchstadt statt. Einige Spieler könnten das Team bis dahin verlassen: Das erste Gerücht keimte schon am Tag nach der Insolvenzmeldung auf: Demnach soll es Thore Weyrauch in Kürze nach Halle ziehen. Auch Niklas Jentsch soll dem Vernehmen nach zu den Saale Bulls wechseln, während sich Patrick Berger den Hannover Scorpions anschließen soll.