Die Bayreuther Mannschaft nach einem Derby gegen Selb – nur diese brachten hohe Zuschauerzahlen. Diese Derbys wird es in der kommenden Saison nicht geben. Bayreuth wird nicht mehr für die Oberliga Süd melden.
Foto: Mario Wiedel
Mitten hinein in die aktuell auch schon öffentlich geführte Diskussion um die Zukunft der beiden Oberligen haben die Bayreuth Tigers am Samstagvormittag eine Bombe platzen lassen: Die Bayreuther werden zur neuen Saison keine Lizenz für die Oberliga Süd beantragen. Der Stammverein will die Geschäftsanteile nicht übernehmen. Nach der Insolvenz der Heilbronner Falken ist das der nächste schwere Schlag für die Drittklassigkeit.
„Geschäftsführung und Gesellschafter der onesto Tigers Bayreuth sehen auf Grund der öffentlichen Resonanz, insbesondere auch vom letzten Wochenende, keine Möglichkeit mehr, die Erwartungshaltung der Bayreuther Fans zu erfüllen, da diese mit den vorhandenen Mitteln und Gegebenheiten schlicht nicht realistisch sind“, heißt es in der verschickten Pressemitteilung. „Zudem haben persönliche Anfeindungen und Beleidigungen ein Ausmaß erreicht, das wir nicht länger bereit sind auszuhalten.“
Die Bayreuther spielen mittlerweile im dritten Jahr nach der verweigerten DEL2-Lizenz in der Oberliga. Anfang des Jahres 2024 hatte der Club auch einen Insolvenzantrag gestellt. Danach war die onesto GmbH um Thomas Lünenborg bei den Tigers eingestiegen und hatte den Club gerettet. „Natürlich sind auch unsererseits Fehler gemacht worden, jedoch hätten wir uns eine konstruktivere Zusammenarbeit mit allen Beteiligten gewünscht“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Die vor zwei Jahren zugesagte Unterstützung, die notwendig gewesen wäre, um den Standort erfolgreich auf gesunde Füße zu stellen, wurde uns leider nicht zuteil.“
Mehrfach hatten sich die Verantwortlichen des Clubs an die Öffentlichkeit gewandt, unter anderem im Juli 2025 mit einem Offenen Brief an den Bayreuther Oberbürgermeister, in dem mangelnde Unterstützung angeprangert wurde. Im Dezember appellierte Lüneborg an die Fans, zahlreicher ins Stadion zu kommen. Und erst vor wenigen Tagen, nach dem 3:11-Debakel gegen Heilbronn gab es erneut einen offenen Brief an die Fans, in dem erklärt wurde, dass der Kader „ganz bewusst – ohne besondere Tiefe zusammengestellt“ worden sei. „Nur so konnten wir mit dem verfügbaren Budget hochklassige, begeisternde Spieler verpflichten.“
Wie es weitergeht, ist unklar. Man habe dem Stammverein EHC Bayreuth angeboten, „die Geschäftsanteile kosten- und schuldenfrei zu übernehmen und den Betrieb in der kommenden Saison fortzusetzen. Jedoch schätzt der EHC Bayreuth die Lage derzeit genauso ein wie wir und hat uns mitgeteilt, dass eine Fortführung für sie nicht in Betracht kommt.“
Nun sei das Ziel, sich für die Pre-Playoffs zu qualifizieren. Am Freitag unterlag Bayreuth vor nur 999 Fans (der Schnitt war zuletzt um mehrere Hundert auf nur noch 1.228 gesunken) den Memmingen Indians mit 3:6 und steht auf Rang neun. Der Vorsprung auf Rang elf beträgt nur zwei Punkte. Vier Spiele in Folge und acht der vergangenen zehn wurden verloren. Eine Woche zuvor waren beim 2:5 gegen Passau 973 Fans ins Stadion gekommen.
Nach der Insolvenz der Heilbronner Falken ist dies nun der nächste schwere Rückschlag für die Oberliga. Am Sonntag, den 15. Februar endet die Frist für Bewerbungen aus den Regionalligen. Nach Informationen von Eishockey NEWS gibt es keinen aufstiegswilligen Club aus der Bayernliga. Die HEC Eisbären Heilbronn, Stammverein der insolventen Falken, haben fristgerecht einen Antrag beim DEB für den sportlichen Aufstieg gestellt.
Sie können am Lizenzierungsverfahren teilnehmen, sofern sie Meister oder der Meister verzichtet. Verzichten beide Finalisten der Regionalliga Süd-West, kann auch der beste Halbfinalist Nachrücker sein.
Am Donnerstag hatte eine Meldung der NRZ für Unruhe gesorgt, wonach bald eine Dreiteilung der Oberliga geplant sei. Auf Nachfrage von Eishockey NEWS erklärte der DEB, dass eine derartige Anfrage an den Verband zwar herangetragen wurde. „Aktuell ist allerdings keine Dreiteilung der Oberliga in Planung. Sollte sich die Lage der Liga in den kommenden Jahren gravierend verändern, wird sich der DEB hierzu mit allen Beteiligten austauschen und entsprechende Lösungen erarbeiten.“
Michael Bauer